Prozessbegleitung bei der Implementierung von Six Sigma
Im
Folgenden wird ein möglicher Prozess zur Einführung von Six Sigma bei
einem mittelständischen Unternehmen beschrieben. Zielstellung ist der
Aufbau eines tragfähigen Systems der nachhaltigen Verbesserungsarbeit
mit Einbindung möglichst vieler qualifizierter Mitarbeiter und zu
erschwinglichen Kosten.
1. Vorstellung des Verbesserungs-Systems: Six Sigma´
Die
Geschäftsführung entscheidet klar über die Einführung von Six Sigma,
setzt sich erste grobe Rahmenziele und benennt einen
Projektverantwortlichen aus ihren Reihen, vorzugsweise den CEO oder den
Geschäftsführer.
2. Orientierung / Vorbereitung / Planung
Auswahl
des Personenkreises für das Koordinationsteam, das für die Planung des
Six Sigma Prozesses eingesetzt wird. Es studiert die möglichen
Lösungen, nimmt Rücksprache mit den Beratern und erarbeitet einen
ersten konkreten Vorschlag für den weiteren Prozess im Unternehmen.
Allgemeine Informationen an den Betriebsrat durch das Koordinationsteam werden in Rücksprache mit dem Trainer weitergeleitet.
Das Management wird in einem zweitägigen Workshop in Six Sigma eingeführt und auf seine Rolle im Prozess vorbereitet.
In diesem Workshop wird die Form der weiteren Steuerung des Prozesses
vereinbart, dies bedeutet die Einigung auf einen Koordinator mit
Festlegung der Aufgaben und eventuell eine Verabredung weiterer
Aktivitäten.
Die Form des Project Reviews wird diskutiert und festgelegt und die Mitglieder des Project Review Boards werden bestimmt.
Der Six Sigma Prozess wird diskutiert und verabschiedet. Klare
Zielstellungen für den Six Sigma Prozess werden so formuliert, dass sie
für die Mitarbeiter verständlich sind und bekannt gemacht werden
können.
Eine erste Sammlung möglicher Projekte wird angelegt und für jedes der
Themen wird ein Auftraggeber (Project Sponsor) bestimmt. Eine Analyse
nach Aufwand und Ertrag wird als „Hausaufgabe“ von den Sponsoren
mitgenommen.
3. Kick Off
Das
Koordinationsteam sammelt alle Informationen zu den vorgeschlagenen
Projekten und bereitet die Projektbewertung und Projektauswahl vor.
Im Management Team werden 4 – 6 Projekte (bei geplanten 8 – 12 Green
Belt Trainingsteilnehmern) systematisch ausgewählt. Die Projekte sollen
aus verschiedenen Bereichen des Unternehmens stammen und eine hohe
Wahrscheinlichkeit des Gelingens in kurzer Zeit ermöglichen (Generating
Quick Wins).
Für jedes der gewählten Projektthemen werden zwei Mitarbeiter bestimmt,
die an einer ersten Six Sigma Ausbildung teilnehmen, dadurch entsteht
bei der Projektbearbeitung mehr Dynamik und Kreativität.
Die Projektleiter werden bestimmt, der jeweils zweite Mitarbeiter ist
der Stellvertreter. In aller Regel arbeiten diese Gespanne als Team
ohne große Hierarchieprobleme.
Alle auszubildenden Green Belts werden in einer Diskussionsrunde informiert und für die neue Aufgabe vom CEO motiviert.
Das Six Sigma Projekt wird offiziell allen Mitarbeitern vorgestellt,
dies ist zusätzlich auch über eine Mitarbeiterzeitung oder das Intranet
möglich.
4. Projektstart / Trainingsstart
Das
Training wird für Green Belts ausgelegt und vermittelt fachlich in 9
Trainingstagen umfangreiche Kenntnisse in der Six Sigma Methode (Green
Belt Level nach GE). Das Training wird in 3 Blöcke zu jeweils drei
Tagen gegliedert. Zwischen den Blöcken sind jeweils ca. 4 – 6 Wochen
Zeit für die Projektarbeit. Bei Bedarf wird ein Coachingtag emp-fohlen.
(siehe Seite 48)
Im ersten Trainingsblock beginnen die Green Belts ihre Projekte zu planen und erste Dokumente zu erstellen.
Jeweils zwischen den Trainingsblöcken arbeiten die Green Belts intensiv
in ihren Projekten. Die Doppelbesetzung zeigt jetzt in der
Ressourcenproblematik echte Vorteile Die Green Belts sollten jeder
mindestens mit 20% ihrer Arbeitskraft an den Projekten arbeiten, d.h.
einen Tag die Woche pro Person.
5. Begleitung
Vierzehntägig
finden kurze Reviews der Projekte zu einem Fixtermin statt. Pro Projekt
sollen dabei 15 – 20 Minuten aufgewendet werden. Das ganze Review
dauert also ca. 2 Std. und ist straff geführt.
Die Teams werden bei
Bedarf mit einem Aufwand von ca. 1 – 2 Std die Woche gecoacht. Coaching
kommt zum Einsatz bei der Auswahl der richtigen Mittel und der
korrekten Interpretation der Ergebnisse.
Die Projektteams selbst werden mit einem jeweils 4 Std. dauernden
Training in die Grundlagen von Six Sigma eingewiesen. Im Team lernen
die Mitglieder während des Projektes durch die Anwendung selbst weiter
(Learning–by-Doing).
Der Six Sigma Gedanke wird möglichst breit im Unternehmen gestreut.
6. Review der Implementierung
Nach
ca. 12 – 16 Wochen sind die ersten Projekte abgeschlossen. Als Bilanz
verfügt das Unternehmen jetzt über 8 – 12 ausgebildete Green Belts.
Eine zweite Ausbildungswelle von Green Belts wird nach gleichem Muster
gestartet und die ersten Green Belts erhalten ebenfalls neue Projekte.
Insgesamt laufen also nun ca. 8 Projekte in den zweiten 6 Monaten.
Jetzt entscheidet sich aus der Erfahrung der ersten Projekte, ob und
wie viele Black Belts weiter qualifiziert werden. Erfahrungsgemäß würde
man mit 2 – 3 Black Belts langfristig rechnen. Die Black Belts werden
extern einzeln ausgebildet.
Black Belts
sind methodengeschulte Mitarbeiter, die hauptverantwortlich
Verbesserungsprojekte durchführen. Der Fokus liegt dabei auf
systematischer Problemlösung anhand qualifizierter Analysemethoden.
Black Belts werden von den Projektteams unterstützt, die aus den
jeweils zu verbessernden Unternehmensprozessen stammen. Die Rolle der
Black Belts und die erforderliche Qualifikation werden international
durch die „American Society for Quality“ ASQ standardisiert. Dabei
umfasst ein Standardtraining 20 Tage Ausbildung, die auf 4 mal 5 Tage
verteilt werden.
Der erfolgreiche
Abschluss des ersten eigenen Projektes ist eine der Voraussetzungen für
die Ernennung zum Black Belt. Erfolgreich war ein Projekt, wenn es
deutlich die Anwendung der Six Sigma Methoden widerspiegelt und die
Verbesserungen erfolgreich im Unternehmen realisiert wurden. Das
Training schließt mit einer formalen Prüfung ab, der ebenfalls der
Standard der ASQ zu Grunde liegt. Das erfolgreiche Projekt und die
bestandene Abschlussprüfung führen zusammen zur Ernennung zum Six Sigma
Black Belt.
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